Goldenes Dachl & Kaiser Maximilian

„Nutze jeden Augenblick, lass keinen Tanz im Leben aus, mitnehmen kannst du nichts.“

So soll der Spruch auf dem Schriftband auf den Reliefs des berühmten Goldenen Dachls in der Innsbrucker Altstadt lauten. Dabei handelt es sich jedoch um Mutmaßungen, denn der Schriftzug gilt bis heute als nicht entziffert. Ein Geheimnis von vielen, die sich um das goldfunkelnde Wahrzeichen Innsbrucks ranken. Es gehört zweifellos zu den schönsten Sehenswürdigkeiten Tirols. Sein Anblick entführt in die Blütezeit der Hauptstadt der Alpen.

Das Goldene Dachl galt als Sinnbild des alten Zentrums Europas. Prunkvoll geschmückt mit 2.657 feuervergoldeten Kupferschindeln, die bis heute alle noch im Original erhalten sind, bildet es das Dach des um 1500 im Auftrag des großen Kaisers Maximilian I. errichteten Prunkerkers.

Der Blick vom Erker, erstreckt sich unverändert die gotische Innsbrucker Altstadt, in der bis heute Einblicke ins Spätmittelalters zu sehen sind und faszinierend die Vergangenheit ins Heute transportiert. Es überblickt auch die Maria-Theresien-Straße mit Annasäule. Nur ein kurzer Spaziergang durch die Altstadt trennt es von der Innbrücke. Ihr verdankt die Stadt ihren Namen

Maximilian I., ein Sohn Friedrichs III., ist vor allem für seine Heiratspolitik bekannt, scheute aber kriegerische Auseinandersetzungen nicht: Innerhalb von etwa 40 Jahren führte er 25 Feldzüge. Er wurde 1486 zum König des Heiligen Römischen Reiches gewählt. Nach dem Tod seines Vaters 1493 folgte Maximilian als Regent nach. Seine Krönung zum Kaiser gestaltete sich aufgrund seiner Kriege schwierig: Er ließ sich erst 1508 in Trient zum „Erwählten Römischen Kaiser“ ausrufen, und zwar ohne Krönung durch den Papst. Auf dem Weg nach Rom ließen ihn nämlich die Venezianer, gegen die er Krieg führte, nicht durchziehen. Deshalb gestaltete der neue Kaiser in Trient eine aufwändige Zeremonie, um seinen Anspruch auf die Kaiserwürde feierlich kundzutun. Papst Julius II. gab seinen Segen aus der Ferne dazu.
Im Haus des Goldenen Dachls befindet sich ein Museum mit Schwerpunkt Kaiser Maximilian und das spätmittelalterliche Tirol.

zum Museum

Durch Erbschaften, Kriege und Heiraten konnte Maximilian den Herrschaftsbereich der Habsburger beträchtlich ausbauen: Von Erzherzog Siegmund von Tirol erwarb Maximilian Tirol und die Vorlande. Im bayrischen Erbfolgekrieg konnte er Kufstein, Rattenberg, Kitzbühel und einige Orte in Oberösterreich gewinnen. Weniger erfolgreich war Maximilians Krieg in Norditalien, wo er nur einige Grenzorte erobern konnte. Die größten Machterweiterungen brachte Maximilian durch Hochzeiten zustande: Er selbst heiratete Maria von Burgund und kam dadurch an das reiche burgundische Erbe. Durch Verheiratung seiner Familienmitglieder, unter anderen seines Sohnes Philipp, gewann er Spanien, Böhmen und Ungarn für die Habsburger.

In den Niederlanden hatte Maximilian ein vergleichsweise fortschrittliches Finanz- und Verwaltungssystem kennengelernt. Nach diesem Vorbild versuchte er die Effizienz in den habsburgischen Erblanden durch eine länderübergreifende Verwaltungsorganisation zu steigern. Trotz einiger Probleme schuf Maximilian damit das Fundament für den modernen habsburgischen Fürstenstaat. Weniger erfolgreich waren seine Reformversuche im Heiligen Römischen Reich, wo ihn die Stände zu vielen Kompromissen zwangen. Seine Reformbestrebungen und Kriege verursachten große finanzielle Belastungen, Maximilian hinterließ enorme Schulden.

Aufgrund seiner Vorliebe für Turniere erhielt Maximilian den Beinamen „der letzte Ritter“. Er starb 1519 in Wels. Sein prunkvolles Grabmal in Innsbruck wurde erst nach seinem Tod fertiggestellt und blieb leer – er ließ sich in der Georgskirche der Burg von Wiener Neustadt beisetzen.